Newsletter 02-2020  -  Werkzeuge der Konfliktlösung


Werkzeug Nr. 2: Miteinander reden (in belastenden Situationen)

Klingt einfach, ist es aber nicht. Denn häufig reden wir gegeneinander oder aneinander vorbei oder gleich gar nicht. Miteinander reden braucht Aufmerksamkeit und Bereitschaft, sich auf sein Gegenüber einzulassen. Aber es lohnt sich!

 

Eines der menschlichen Grundbedürfnisse ist Bindung und Zugehörigkeit. Wir können nicht alleine existieren, aber miteinander ist es manchmal ganz schön schwierig. Wenn das Miteinander belastet ist und wir nicht wissen, wie wir da wieder herauskommen, greifen wir je nach Typ und Situation auf unterschiedliche Strategien zurück.

 

Nicht reden:

Eine Möglichkeit ist, sich anzuschweigen oder sich aus dem Weg zu gehen. Bei Kleinigkeiten ist das manchmal eine gute Reaktion, denn manche Probleme lösen sich von selbst. Aber sobald es im Konflikt um etwas geht und eine oder sogar beide Seiten entziehen sich dem Dialog, dann entsteht eine Art Ohnmacht. Die Eskalation ist vorprogrammiert. Solche kalten Konflikte, die unter der Oberfläche schwelen und nicht offen ausgetragen werden, sind ohne neutrale Hilfe sehr schwierig zu lösen und enden nicht selten im Beziehungsabbruch.

 

Gegeneinander oder aneinander vorbeireden:

Und wieder einmal geraten Herr Müller und Frau Schwarz im Meeting wegen unterschiedlicher Meinungen zum Projektablauf aneinander. Was im normalen Tonfall beginnt, mündet in gegenseitigen wütenden Vorwürfen. Mit jedem Argument und Gegenargument versuchen die Kollegen sich zu übertrumpfen. Jeder will seine Position bestärken und ist sich sicher, dass mit dem nächsten Argument das Gegenüber endlich kapieren wird, dass man recht hat. Der Rest des Teams hat längst gemerkt, dass die beiden nur noch aneinander vorbeireden, aber das bekommen Müller und Schwarz nicht mehr mit, denn sie sind im Konflikttunnel. Eine Lösung ist an diesem Tag ganz sicher nicht in Sicht und wieder droht das Projekt zu scheitern.

 

Kontrolliertes nacheinander reden:

Um von einem Streit, wie ihn Frau Schwarz und Herr Müller haben, zu einem konstruktiven Miteinander zu kommen, braucht es vor dem Miteinander ein kontrolliertes Nacheinander. Hier ist eine Konfliktmoderation durch eine gute Führungskraft oder eine Mediation hilfreich. Eine möglichst neutrale Person sorgt dafür, dass beide Streitparteien Raum und Zeit für die Schilderung ihrer Seiten bekommen und dabei nicht unterbrochen werden. Wenn sich jeder seines Raumes sicher sein kann und der Machtkampf um Redezeit in den Hintergrund rutscht, dann ist es möglich, zuzuhören und vielleicht erstmalig zu verstehen, um was es meinem Gegenüber wirklich geht. Verständnis öffnet die Augen und fährt die negativen Emotionen runter.

 

Miteinander reden:

Bleiben wir bei Herrn Müller und Frau Schwarz. Vielleicht haben sie beim gegenseitigen Zuhören entdeckt, dass sie ja doch beide dasselbe Ziel haben: beide wollen ein erfolgreiches Projekt. Vielleicht erkennen sie sogar, dass die Ideen der/s anderen gar nicht so schlecht sind und man durchaus Lösungen finden kann, die beider Vorstellungen berücksichtigen. Jetzt fangen sie an, miteinander zu reden. Vergangene Verletzungen, Machtspiele, ..., alles nicht mehr so wichtig. Wenn man das Gefühl hat, verstanden worden zu sein, ist es möglich, wieder nach vorne blicken.

 

Miteinander reden braucht die Basis einer stabilen, einigermaßen sicheren Beziehung. Wenn ich nicht dauernd aufpassen muss, meine Deckung zu halten, kann ich mich trauen, etwas von mir preis zu geben und meinem Gegenüber echte Aufmerksamkeit zu schenken. Es lohnt sich, hier Zeit zu investieren, denn so kann Frieden wachsen.

 

 

Autorin: Brigitte Santo


Miteinander reden und Konfliktmoderation können Sie auch bei uns lernen. Wir bieten Seminare und Weiterbildungen zum Thema an oder unterstützen Sie gezielt im Rahmen eines Coachings. Sollten Sie Unterstützung wünschen, rufen Sie uns gerne an unter +49 (0)89 1222372-69 oder senden Sie eine E-Mail an info@ponschab-partner.com.

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